through the dark - mikro festival

Eine Kooperation mit dem Volkskundemuseum Wien - 24. Mai 2025

Das Projekt der Errichtung einer Bibliothek des zivilen Ungehorsams versucht die vielen künstlerischen Plattformen und Bewegungen, die sich kritisch mit den Einschränkungen oder Relativierungen der Grund- und Menschenrechte auseinandersetzen, miteinander zu verknüpfen und ein Archiv zu entwickeln, das diese unterstützt, begleitet und dokumentiert. Gerade diese Rechte wurden über Jahrhunderte erkämpft, um in den Rang von Gesetzen aufgenommen zu werden, die diese als legale Ansprüche auch schützen und verteidigen sollten. Dieser Kampf um die legale Anerkennung war nicht selten von Praktiken begleitet, die das jeweils geltende Gesetz unwillentlich oder willentlich verletzten, weil dieses die entsprechende Rechtmäßigkeit von Ansprüchen noch nicht beinhaltete. Die Geschichte der Demokratie ist untrennbar mit einer stetigen Entwicklung des geltenden Rechts und den Konflikten zwischen legalen, illegalen aber vielleicht legitimen Ansprüchen auf Gerechtigkeit verbunden. Die demokratische Entwicklung des Rechts ist in diesem Sinne auch mit einer Rechtswerdung einst illegaler Lebensformen verbunden: Was einst verboten und verfolgt wurde, konnte nur durch die öffentliche Auseinandersetzung mit den entsprechenden Fragen zum Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit in gesetzlich verbürgten Rechtsanspruch verwandelt werden. Zu dieser Rechtsgeschichte gehört das (auch mit zivilem Ungehorsam) erkämpfte Wahlrecht für Frauen genauso wie der rechtliche Schutz von diversen Formen gelebter Sexualität oder der Schutz von Natur und Umwelt für eine Zukunft der kommenden Generationen. All diese Gesetzes- und Rechtswerdungen sind von einer Geschichte des zivilen Ungehorsams nicht zu trennen und in diesem Sinne unlösbar mit der Demokratie verbunden. Dieses prekäre Verhältnis zwischen Kritik, zivilem Ungehorsam und demokratisch entwickelten Rechtsansprüchen wird in letzter Zeit aber zunehmend eingeschränkt oder kriminalisiert. Eine Demokratie, die Kritik an der Gerechtigkeit und Rechtmäßigkeit von Gesetzen nicht mehr zulässt, läuft Gefahr, sich selbst aufzulösen. In diesem Sinne soll die Bibliothek des zivilen Ungehorsams Plattform und Archiv für die entsprechenden künstlerischen Projekte werden und zugleich für diese die Stimme erheben und zu einem besseren Verständnis dieser Kämpfe für Rechtsansprüche der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Ein Schwerpunkt der LoCD liegt heuer auf der Kooperation mit künstlerischen Aktivist*innen im Umfeld des zivilen Ungehorsams, die ob ihrer Herkunft aus anderen Staaten (Serbien, Afghanistan, Zimbabwe, Ghana oder Kolumbien etc.) nur bedingt auf den rechtlichen Schutz, der österreichischen Staatsbürger*innen gewährt wird, hoffen können. Dabei sind sie mit den Folgen von Politiken konfrontiert, die auch in ihre Gegenwart hier reichen und implizit die Frage von Betroffenheit und Zuständigkeit aufwerfen. Damit eröffnet sich ein politischer und kultureller Raum, der über die nationalen Grenzen genauso hinausgeht wie über die rechtlichen Zuständigkeitsgrenzen für die Ansprüche auf Recht und Gerechtigkeit. In diesem Zwischenraum zwischen unmittelbarer Erfahrung von Ungerechtigkeiten und zugleich diverser territorialer Rechtsstandards liegt ein widersprüchlicher Graubereich, der das Nicht-Gehört-Werden weder da noch dort als Ungehörigkeit des Anspruchs auf Gerechtigkeit erscheinen lässt. Künstlerische Formen des zivilen Ungehorsams verleihen dieser nicht-gehörten oder unerhörten Ungehörigkeit manchmal ein Ohr und manchmal eine Stimme.

Künstlerische Kooperationen:

Kweku Okokroko – Sprache als Widerstand

Masimba Hwati – Das Archivieren des Schweigens

Susanna Ojeda – Ökologischer Widerstand

Ovidiu Anton – Mobile Bibliothek

Zoe Gudović – Kooperation zwischen LOCD und Radio Zenergija

Emma Dirnhofer – Last Generation

Negin Rezaie – Intergenerational Performance

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